Die 7 teuersten Fehler beim Stundensatz
Diese Fehler sehen wir immer wieder, und jeder einzelne kostet real Tausende von Franken pro Jahr. Die gute Nachricht: Alle sieben sind mit einer ehrlichen Kalkulation vermeidbar.
Fehler 1: Den Angestelltenlohn durch 173 teilen
8'000 Franken Brutto geteilt durch 173 Monatsstunden gibt 46 Franken, also offerierst du 50 und fühlst dich grosszügig. Nur: Dein Arbeitgeber hat auf diese 8'000 noch einmal grob 15 bis 20 Prozent Sozialleistungen draufgelegt, dir 5 Wochen Ferien, Feiertage und Krankheitstage bezahlt und den Arbeitsplatz gestellt. Und verrechnen kannst du als Selbständige nur einen Teil deiner Zeit. Der ehrliche Gegenwert von 8'000 Brutto liegt je nach Auslastung bei 150 bis 180 Franken pro Stunde, nicht bei 50. Die ganze Rechnung steht im Guide.
Fehler 2: Mit 100 Prozent verrechenbaren Stunden planen
Niemand verrechnet 42 Wochenstunden. Akquise, Offerten, Buchhaltung, E-Mails, Weiterbildung und Leerlauf fressen bei den meisten Selbständigen 30 bis 45 Prozent der Arbeitszeit. Wer mit 1'800 verrechenbaren Jahresstunden kalkuliert, aber real 1'100 erreicht, verdient automatisch 40 Prozent weniger als geplant, bei gleichem Aufwand.
Fehler 3: Ferien und Krankheit «vergessen»
Als Selbständige bezahlt dir niemand Ferien, Feiertage, Grippe oder den Zahnarzttermin. Fünf Wochen Ferien plus Feiertage plus ein paar Krankheitstage bedeuten: Rund 15 Prozent des Jahres verdienst du nichts, gibst aber weiter Geld aus. Dieser Anteil gehört in den Satz, sonst finanzierst du deine Erholung aus der Substanz.
Fehler 4: AHV und Steuern erst bei der Rechnung bemerken
Der Klassiker im zweiten Geschäftsjahr: Die Ausgleichskasse rechnet definitiv ab, das Steueramt auch, und plötzlich fehlen 25'000 Franken, die längst ausgegeben sind. Als Selbständige zahlst du AHV/IV/EO (bis rund 10 Prozent) selbst und deine Steuern kommen ohne Quellenabzug. Lege ab dem ersten Franken 30 bis 35 Prozent zur Seite, auf ein separates Konto, das du nicht anfasst.
Fehler 5: Ohne Gewinnmarge kalkulieren
Wenn dein Satz exakt deine Kosten und dein Wunsch-Netto deckt, betreibst du ein Nullsummenspiel ohne Airbag. Ein zahlungsunfähiger Kunde, ein kaputtes MacBook oder zwei flaue Monate, und du bist im Minus. 10 bis 20 Prozent Marge sind der Unterschied zwischen einem Unternehmen und einem Drahtseilakt.
Fehler 6: Sich an der billigsten Konkurrenz orientieren
Auf internationalen Plattformen bietet immer jemand dieselbe Leistung für einen Drittel an. Wer da mitbietet, hat mit Schweizer Lebenshaltungskosten schon verloren. Dein Referenzpunkt sind nicht die billigsten Anbieter, sondern deine Kalkulation und der realistische Marktrahmen deiner Branche. Kunden, die nur den Preis vergleichen, sind selten die, mit denen man gut arbeitet.
Fehler 7: Jahrelang nie erhöhen
Bei rund 1 bis 2 Prozent Teuerung verliert ein eingefrorener Satz in fünf Jahren real gegen 10 Prozent Kaufkraft, während deine Erfahrung steigt. Es gibt keinen Grund, warum dein Satz von 2021 im Jahr 2026 noch gelten sollte. Wie du erhöhst, ohne Kunden zu verlieren, steht in den Tipps.
Wenn dein Stundensatz unter 100 Franken liegt und du davon in der Schweiz leben willst, stimmt mit hoher Wahrscheinlichkeit die Rechnung nicht, nicht dein Können.